Die European
Bluegrass Music Association(EBMA) und die German Bluegrass Music
Association (GBMA) e.V. laden am Samstag, den 19 . Februar 2011, 19.00
Uhr zum Bluegrass Jubiläums-Konzert nach 77815 Bühl bei
Baden-Baden ins Bürgerhaus Neuer Markt ein.
Gefeiert werden u.a. das
10jährige Jubiläum der EBMA, die erste Jahresversammlung der GBMA
e.V., der 100. Geburtstag des "Vaters der Bluegrass Musik" Bill Monroe,
und die dritte Ausgabe des European Bluegrass Gipfeltreffens in Bühl. Die
Besetzung des Jubiläums-Konzerts ist entsprechend prominent und vereint mit
G-runs 'n Roses (CZ), Four Wheel Drive & Jolanda Peters (NL/D/B) und
Monroe Crossing (USA) Bekanntes und Neues, aber immer das Beste aus Ost und
West - und far West! Fotos sind zum Download auf unserer Homepage bereit, der
Text ist angehängt, und wir freuen uns auf eine Veröffentlichung.
Mit
freundlichen Grüssen
Angelika Torrie Präsidentin European Bluegrass
Music Association, www.ebma.org
Mit großer Vorfreude wurden Jackson Taylor & The Sinners aus Austin, Texas am 06. März 2010 in Untermeitingen erwartet. Das Konzert war ausverkauft, die Leute waren gekommen, um eine authentische Honky Tonk Band mit Texas-Outlaw-Einschlag zu hören.
Nachdem die Band erst sehr spät angekommen war, gingen sie nach der Vorgruppe ohne eigentlichen Soundcheck auf die Bühne. Die Lautstärke der Musik sorgte von Anfang an dafür, dass man kaum ein gesungenes Wort verstehen konnte, selbst die ruhigeren Passagen waren insgesamt viel zu laut, wie bei „The Bluesman“ von Hank Williams jr.. Da war kein Musikgenuss möglich, etliche Leute gingen vorzeitig nach Hause. Jim Beam aus der Flasche regierte das Geschehen auf der Bühne, die musikalisch wertvolle Arbeit des Powersliders konnte nichts ausrichten. Dabei wäre der Ansatz der Band theoretisch sehr positiv, weg vom Nashville-Allerlei, „Country Song“, „Outlaw Women“, Vorbilder wie Waylon Jennings, Merle Haggard, Billy Joe Shaver oder Dale Watson. Aber die völlig überzogene Lautstärke, quasi Drum’n’Bass, und das bei auf null fahrender Hausanlage, ließ die Band im eigenen Sound und aufgrund der Wirkung des Whiskeys hoffnungslos untergehen. Wer bis zum Schluss blieb, wollte allenfalls und konnte schließlich die Selbstdemontage der Bestie erleben. Man wird sie hiernach auf deutschen Bühnen vermutlich nicht wiedersehen, live komplett zunichte der sehr positive Eindruck von der aktuellen CD „Aces ’N Eights“.
Dies stand alles im gänzlichen Gegensatz zur „Vorgruppe“, die klar der Hauptact des Abends war, die Cripple Creek Band. Instrumentell ohnehin kaum zu schlagen, brachten sie einige neue Songs, die sie für ihre dieses Jahr erscheinende CD testeten. In Dänemark haben sie eine Woche Auszeit genommen, um entspannt an den Liedern für das neue Album zu arbeiten. Der Auftritt war der Tourstart 2010 und der war absolut gelungen.
„Bad Case Of Loving You“ kennt man schon von Texas Lightning, „Ticks“ und „The World“ waren Riesenhits von Brad Paisley, egal ob eigene Songs oder Covers, die Cripple Creek Band überzeugte auch durch eine gelungene Auswahl ihrer Lieder. Helmut Limbeck als Multiinstrumentalist hatte sichtlich Spaß am Einsatz seiner Instrumente, ihr sehr dichter Country-Rock-Sound war einfach großartig. Neu war z.B. „Happy Hours In Heaven“. „Liza Jane“ hatte Vince Gill zu Hitehren geführt und „Hey Good Looking“ war eine Erinnerung an den großartigen Hank Williams. Sogar richtige Swamp Music kam vor, „Whiskey Woman“, gesanglich schwierig gestaltete sich allerdings die Ballade „What Hurts The Most“ vom Trio Rascal Flatts, geschrieben von Jeffrey Steele. Mit „Alive And Kickin‘“ zeigten sie Lebensmut und kündigten eine bestimmt erfolgreiche Saison 2010 an, der Auftritt der Cripple Creek Band ging mit einem überragenden „The Devil Went Down To Georgia“ zu Ende. (Friedrich Hog)
Billy Yates ist seit rund 15 Jahren einer der besten Songschreiber in Nashville. Seit einigen Jahren bereist er regelmäßig Europa und beweist jeweils, dass mit echter Country Music, die Seele und Inhalte hat, das Publikum in Begeisterung versetzt werden kann. Mit seiner markanten Stimme, einem freundlichen, aber bestimmten Charisma und seinen Liedern, die von George Jones und anderen Größen aufgenommen werden, lässt er die Herzen höher schlagen. Am Freitag, den 26. Februar 2010 war er wieder einmal im gut besuchten Four Corners in Untermeitingen aufgetreten, und lieferte dort seinen bisher besten Four-Corners-Auftritt ab.
Eröffnet wurde der Abend gegen 20.30 Uhr von Savannah aus Holland, die gewohnt zuverlässig, aber zunächst relativ lautstark aufspielten. Ihre Highlights waren mithin auch die leiseren Lieder wie „My Baby’s Gone“ von den Louvin Brothers“ oder Shawn Camp’s „K-I-S-S-I-N-G“. Dass sie aus der Feder von Billy Yates auch etwas spielten, z.B. „I Like My Music Country“, belegt schon, dass dieser ein riesiges Repertoire geschaffen hat, und nicht auf jedes seiner Lieder angewiesen ist. Sehr schön kam „When You Say Nothing At All“ aus der Feder von Paul Overstreet herüber.
Gegen 22 Uhr betrat nach einer Pause für den zweiten Set des Abends Billy Yates zusätzlich die Bühne und zeigte wo’s lang geht, wenn im Four Corners echte Country Music auf ein Publikum trifft, das genau dieses hören möchte. Seine Lieder sind häufig mit einem Augenzwinkern versehen, geradezu philosophische Talente werden offenbar. „Billy Yates betrachtet das Verhalten und die Gefühle seiner Mitmenschen exakt und münzt die ermittelten Strukturen in zutreffende Lieder um wie „She’s Looking Better Every Beer“, je später der Abend, desto schöner die Mädels. Obwohl er fast ausschließlich eigenes Material auf die Bühne bringt, hat er dennoch Raum für Fremdkompositionen, die ihm etwas bedeuten, wie „Act Naturally“ von Johnny Russell oder „One Woman Man“ von Tillman Franks und Johnny Horton. Längst war die Lautstärke minimal heruntergefahren worden und damit absolut perfekt, der Sound war klar, so dass man jedem Instrument folgen konnte und auch der Gesang immer bestens verständlich war, nicht nur bei den gelegentlichen Balladen. Das alles gibt dem Meister Selbstvertrauen und er kann mit Überzeugung singen „I’m Too Country And Proud Of It“. Ebenso wie in „Anywhere But Nashville“ kritisiert er hier heftig die Politik der großen Plattenfirmen, die vorschreiben, wie die Musik klingen muss, die sie ans Country Radio „verkaufen“. Es sollte nicht um Sex oder Politik gehen, die Musik muss möglichst frei von leisen Tönen sein, sollte auch nicht zu Country klingen. Er selbst hat sich mithin längst von der Musikindustrie unabhängig gemacht und kann so singen und klingen, wie er das für richtig hält. Mit „Flowers“ präsentierte Billy Yates seinen größten eigenen Hitparadenerfolg, 1997 hat er damit Platz 36 in Billboard’s Country Charts erreicht.
„That’s Why I Run“ aus der Feder von Billy Yates und Billy Ryan war der Titelsong seiner CD von 2008, Ende 2009 ist mit „Bill’s Barber Shop“ bereits ein adäquates Nachfolgealbum erschienen, das auf seiner Kindheit und Jugend im ländlichen Missouri basiert. Geboren wurde er am 13. März 1963 in Doniphan, Missouri, sein Vater Bill Yates hatte tatsächlich jenen Barber Shop.
Das Augenzwinkern in Billy’s Liedern wurde besonders deutlich in „Daddy Had a Cardiac And Mama’s Got A Cadillac”, der Vater starb mit einem Lächeln auf dem Gesicht im fremden Bett, aber Mama hat das Lachen schließlich auf ihrer Seite, als sie sich mit dem Scheck aus der Lebensversicherung ein tolles Auto kaufen kann. Gleiches gilt für “The Perfect Woman”, sie sollte einen perfekten Körper und ein bereits bezahltes Auto haben, sowie einen Liquor Store besitzen. Und “Alcohol Abuse” zeigt auf, dass jedes verschüttete Tröpfchen einen Missbrauch darstellt, sei es Sam Adams, Tequila oder was auch immer. “My Infinate Love” widmete Billy Yates Michael Lonstar und dessen Frau, die in Untermeitingen im Publikum saßen. Vor seinen Helden Lefty Frizzell und Keith Whitley verneigte sich Billy Yates mit “I Never Go Around Mirrors” und rasantes Tempo legte er vor bei “Down At The Station”. Das galt auch für das texanisch angehauchte “Me, Marie” und “I Don’t Need No Rockin’ Chair”, mit dem George Jones 1993 einen CMA-Award gewann und Platz 34 der Country Charts erreicht hatte.
In seiner gigantischen Karriere hatte George Jones lediglich zwei Mal den Grammy als bester Country Sänger gewonnen, 1980 für seinen Nummer 1 Hit “He Stopped Loving Her Today” und im Jahr 2000 für sein Top 30 Hit “Choices” aus der Feder von Billy Yates”. “Choices” hatte sich Billy für die Zugaben aufgehoben, ebenso das engagierte “American Voices”. Nach 95 Minuten war der bisher beste Auftritt von Billy Yates vor restlos begeistertem Publikum zu Ende, er widmete sich für den Rest des Abends den Wünschen nach Autogrammen und Fotos. Billy Yates und Savannah, eine Sternstunde im Four Corners in Untermeitingen. (Friedrich Hog)
Erstmals in der Geschichte des Festivals, das für Auftritte großer Namen bekannt ist, hatten die Veranstalter nur drei Bands präsentiert. Die Auftritte dauerten dafür jeweils ca. 75 Minuten, was angemessen war. In der Schweiz als Stars aus dem Ausland angesagt, legten Texas Lightning aus Hamburg an beiden Abenden als erste Formation los. Die in Hamburg lebende Australierin Jane Comerford war die Sängerin, sie bediente die Ukulele. Olli Dittrich (“Dittsche”) saß am Schlagzeug, er war Schlagzeuger, ehe er als Comedian erfolgreich ein zweites Standbein aufgebaut hatte. Markus “Fast Fingers” Schmidt bediente elektrische Gitarre und Banjo und Uwe Frenzel den Kontrabass. Hinzu kam “Dauergast” Nils Tuxen an Steel Guitar, Dobro und Mandoline. Die Band befand sich 2009 in einer Phase der Tourneepause, Gstaad holte sie zurück auf die Bühne. Jonny Olsen hatte am 28. August und damit zwei Wochen vor der Country Night seinen Ausstieg aus der Band erklärt, Malte Pittner, Gründungsmitglied der Hamburger Electro- und Hip-Hop-Gruppe „Deichkind“ stand daher erstmals mit Texas Lightning als Leadsänger und akustischer Gitarrist auf der Bühne, Deichkind hatte er ja bereits 2006 verlassen.
Mit “Bad Case Of Loving You” wählten sie den denkbar besten Einstieg, Country Music in klassischer Form, dem mit “Man Of Constant Sorrow” gleich Bluegrass/Old Time folgte. Hervorzuheben auch John Hartford’s “Gentle On My Mind”, das von der Formation in ein gefälliges Arrangement verpackt wurde. Sodann folgten Lieder von Country-Komponisten, die nicht wussten, dass sie welche sind (Zitat Olli Dittrich). Zum Teil mit Mandoline begleitet tauchten Nummern auf wie Survivor‘s “Eye Of The Tiger” oder Madonna‘s “Like A Virgin”. Der unlängst verstorbene “King Of Pop” Michael Jackson wurde mit “The Man In The Mirror” geehrt, die “Dancing Queen” kam von ABBA. Das klang alles recht perfekt und kam gut an. Markus Schmidt spielte beim Jerry Reed Klassiker “East Bound And Down” die elektrische Gitarre und konnte daher nicht gleichzeitig das Banjo bedienen, von deren Zusammenarbeit allerdings die Originalversion lebt, vielleicht sollte Nils Tuxen an dieser Stelle am Banjo einspringen. Im Falle von “Ticket To Ride” gingen Texas Lightning zu den Beatles zurück, die aktuelle Single „Seven Ways To Heaven“ wurde eingestreut, positiv der Tex-Williams-Klassiker “Smoke Smoke Smoke That Cigarette”. In der Pressekonferenz versprachen sie, nun wieder durchzustarten und verstärkt wieder Titel mit klassischem Country bzw. dem gewissen Swing-Einfluss zu präsentieren. Chuck Berry‘s “C’est La Vie” und “Take A Walk On The Wild Side” vom Blues- bzw. Rockgitarristen Lou Reed führten zum Finale, das die Zugaben “No No Never”, ihren mehrwöchigen Nummer 1 Hit in Deutschlands Pop Hitparade und “Highway To Hell” von AC/DC brachte. Der neue Mann in Front war vielleicht nicht so prägnant wie sein Vorgänger, hat aber keinesfalls enttäuscht und möchte bei der Band bleiben. Standing ovations waren der Lohn für die präzise Bühnenarbeit von Texas Lightning, verdientermaßen gefeiert in Gstaad.
Nach einer einstündigen Pause, der Ablauf war an beiden Abenden identisch nur am Freitag mit Beginn 19 Uhr und am Samstag mit Beginn 18 Uhr, betraten Lady Antebellum die Bühne. Als sie gebucht wurden, standen sie erst am Anfang einer Karriere, die seither so steil nach oben führte, dass man ihre Verpflichtung nur als wahren Glücksgriff der Veranstalter werten kann. Am 12. November 2008 hatten sie von der Country Music Association (CMA) bereits den Award als beste Newcomer des Jahres erhalten. Mittels ihrer Show, ihrem Verständnis füreinander und wie sie sich gegenseitig auf der Bühne ergänzten, verdeutlichten sie, weshalb ihre Karriere so massiv explodiert ist. Sie rechtfertigten mithin ihre Verpflichtung nach Gstaad in jeder Hinsicht. Zum Einstieg gleich ihr Motto “Looking For A Good Time”, das Anfang 2009 Platz 11 der Country Charts erreichte. Modern ihre Arrangements, voller Energie und doch Leichtigkeit ihr Auftreten. Die Mitglieder sind jung, stecken voller Talente und sehen gut aus, was will man für den Anfang mehr. Charles Kelley und Dave Haywood wuchsen gemeinsam in Augusta, Georgia auf, gingen dort zur Schule und studierten beide Finanzwesen. Nach nur kurzen Tätigkeiten auf buchhalterischem Bereich machten sie die Country Music zu ihrer Lebensaufgabe, Songs hatten sie schon in ihrer Studienzeit gemeinsam geschrieben. Sie zogen nach Nashville. Dritte im Bunde ist Hillary Scott, Tochter der Country Sängerin Linda Davis, die aus Texas nach Music City gekommen war und in den 80-er und 90-er Jahre ihre große Zeit hatte und im Duett mit Reba McEntire einen Nummer 1 Hit mit „Does He Love You“ landen konnte, wofür es einen Grammy und einen CMA-Award gab. Hillary hatte die Musik von Charles Kelley und dessen Bruder Josh über das Internetportal “MySpace” kennengelernt und bei einem zufälligen persönlichen Treffen herausgefunden, dass ihr neues Gegenüber ihr MySpace-Freund Charles Kelley war. Rasch begann die Zusammenarbeit mit Charles und Dave, zunächst im Wege gemeinsamen Songschreibens ohne konkretes Ziel. Im April 2007 winkte der Plattenvertrag bei Capitol Nashville. In Nashville traten sie zuerst vor 25 Leuten auf, bald schon vor immer größer werdendem Publikum.
Ihr erster Hit “Love Don’t Live Here” erreichte im Juni 2008 Platz 3 in Billboard‘s Country Charts, das Debüt-Album “Lady Antebellum” erreichte Platz 1 der Country Album Charts und Platz 4 der Top 200, in denen alle musikalischen Richtungen notiert sind, verkaufte innerhalb eines guten Jahres 600.000 Einheiten und liegt heute noch gut im Rennen. Rascal Flatts und Sugarland haben für ihre Art der Musik den Weg geebnet und mit Gloriana ist bereits wieder eine neue Band in der entsprechenden Richtung erfolgreich. Die Basis sind gefestigtes Songschreiben, weit ab vom “Country-Rap”, dichte und intensive Harmoniegesänge und moderne musikalische Arrangements. Die Bühnenshow in Gstaad lebte von der elektrischen Gitarre von Jason Gambill, von den drei Frontleuten bediente lediglich Dave Haywood akustische Gitarre und Keyboard, Hillary (Alt) und Charles (Bariton) traten ausschließlich als Sänger in Erscheinung. Da sie noch nicht genügend eigenes Material zur Verfügung haben, so rasant ist ihr Erfolg gekommen, mischten sie geschickt und gekonnt Lieder von Vorbildern in ihren Auftritt. Charles Kelley ist großer Fan der Allman Brothers, daher erklang der “Rambling Man”, ebenso hatten die Doobie Brothers ihre Spuren hinterlassen, was gitarrentechnisch gigantisch gut umgesetzt wurde. Dwight Yoakam war mit “Fast As You” vertreten. Ihren ersten gemeinsam geschriebenen Song “All I Need” trugen sie natürlich mit besonderem Stolz vor und im Trio der Frontleute spielten sie sitzend ihre neue Single “Need You Now”. Das Lied avancierte zu einem Festival Highlight, standing ovations am Freitag, begeistertes Klatschen mit Füßetrommeln am Samstag am Ende des Liedes. Die Hälfte der Lieder der zweiten CD sind derzeit aufgenommen, “Need You Now” stieg auf Platz 50 in die Country Charts ein und nahm seither seinen steilen Weg nach oben über die Positionen 39 und 31 zu Platz 25 am 19. September. Die Herzen des Publikums gewann Hillary Scott mit der Erinnerung an John Brack, der für seine Duetts-CD ein Lied mit ihrer Mutter Linda Davis aufgenommen hatte und für ihren Einwurf, dass sie aufgrund dieser Tatsache schon als kleines Kind in die Schweiz kommen wollte. Dass es eine Ehre ist, jetzt mit ihren beiden besten Freunden hier zu sein, war ihr auch wichtig, mitzuteilen. Highlight ihres Auftritts war das gesanglich und kompositorisch absolut herausragende “I Run To You”, das im Juli ihre erste Nummer 1 in Billboard‘s Country Charts wurde und das die grenzenlose Dynamik der Band unterstrich. Auch hier Zugabe und standig ovations, die Band hat begeistert und sich einen guten Namen in Europa erworben, am Samstag sogar noch eine Spur bedeutender als am Freitag, zumal am Samstag das Zelt restlos ausverkauft war, am Freitag noch einige Plätze unbesetzt blieben.
Nach einer weiteren fast einstündigen Pause, die man zur körperlichen Stärkung außerhalb des Zelts in der Tennishalle oder anderswo nutzen konnte, oder zum Besuch an einem der Verkaufsstände, nahte der Auftritt von Megastar, ja Ikone Kenny Rogers. Der Songschreiber und Sänger aus Houston, Texas hat eine lange Liste von Millionsellern, sowohl bei Singles, als auch bei Alben, 21 Nummer 1 Hits stehen in Billboard‘s Country Charts zu Buche, von “Lucille” (1977) bis “Buy Me A Rose” (Mai 2000). Er ist eine lebende Legende der Musikgeschichte und einer der größten Namen, die je in Gstaad aufgetreten sind. Von allen Country Künstlern hat er auch in der Schweiz die deutlichsten Spuren in der Hitparade hinterlassen. Mit 71 Jahren ist er inzwischen in einem Alter, in dem sich viele schon zur Ruhe gesetzt haben, nicht so Kenny Rogers, der gleich einen Helikopter gechartert hat, um von der herrlichen Berglandschaft des Berner Oberlands Fotos für seinen neuen Bildband zu schießen, Lehrmeister insoweit war der berühmte amerikanische Fotograf Ansel Adams. Im Anschluss an Gstaad reiste er zum Zwecke des Fotografierens in die Tschechische Republik weiter.
Obwohl er 2008 ein neues Knie eingepflanzt bekam und daher beim Gehen Vorsicht walten lassen musste, war er auf der Bühne ständig unterwegs, um den Fans auf allen Seiten nahe zu sein. Seine innere Bescheidenheit wurde bei der Pressekonferenz auf einmalige Weise deutlich, als er nicht zielstrebig zum Mikrofon ging, sondern anbot, sich in der Mitte der Journalisten befragen zu lassen. Nach der Pressekonferenz, als eine Frau in einem Rollstuhl zu ihm geschoben wurde mit der Bitte um ein gemeinsames Foto, kniete er auf den Boden mit der Bemerkung “Moment, ich komme zu Dir runter, nachher komme ich vielleicht nicht mehr hoch, aber ich komme zu Dir runter”. Auch wenn man bisher den Eindruck hatte, ihm würde der Erfolg einfach so zufallen, Zitat seiner Mutter: “Dieser Junge hat noch keinen Tag in seinem Leben gearbeitet, er hat nur gesungen”, wurde in Gstaad deutlich, mit welchem Engagement und auch mit welcher Hingabe er seine Musik präsentiert. Um etliche Pfunde leichter als früher und mit zwei fünfjährigen Söhnen, den eineiigen Zwillingen Justin und Jordan, hat Kenny Rogers agil zu bleiben. Seine Band war ein perfekt eingespieltes Team der Superlative, angesiedelt im hinteren Bereich der Bühne, auf die bekannten Effekte seiner Musik musste man nicht verzichten. “Love Or Something Like It” und “If You Want To Find Love” waren seine ersten Stücke, die lautesten, die er im Repertoire habe, wie er mit viel Ironie im Blick kommentierte.
Seine Karriere begann nach Erfolgen mit der High School Band „The Scholars“ ja schon in den 50-er Jahren als Bassist im Bobby Doyle Trio und damit im Jazz, dann kam er zu den New Christy Minstrels und mithin zum Folk, sodann gründete er Ende der 60-er Jahre Kenny Rogers & The First Edition, ehe er 1974 endgültig auf echte Solopfade ging. In Anspielung auf seine lange Karriere sagte er “If You Want To Find Love” an mit der Bemerkung, hier sei ein Hit von vor vier Jahren, was prompt aus dem Hintergrund mit einem klaren “10” beantwortet wurde, in Wahrheit war die Nummer 1991 in den Charts. Bemerkenswert auch seine Anmoderation unter dem Motto, “ich behaupte nicht, der beste Sänger zu sein, mir ist wichtig, dass Ihr einen unterhaltsamen Abend und viel Spaß habt”. Mit Bluejeans und über der Hose getragenem Hemd, Freitag weiß und Samstag blau, brachte er auch äußerlich seine Lockerheit stimmig rüber. Sein Medley aus den Balladen “You Decorated My Life” und “She Believes In Me” kommentierte er mit der Bemerkung, letzteres sei sein persönliches Lieblingslied. Von 1969 durfte sein Hit “Ruby, Don’t Take Your Love To Town” nicht fehlen, einfach herrlich, wie treffend die Begleitband den entsprechenden unverkennbaren Sound auf die Bühne zauberte. Sein angedachtes nächstes Projekt trägt den Titel “Hits I Should Have Had”, hieraus stellte er “To Me” vor, mit dem Lee Greenwood und Barbara Mandrell 1984 in den Country Charts einen Top 3 Hit landen konnten. Fiddlerin Amber Corr bekam einen Solospot für einen Hoedown auf der Fiddle. Dem folgte der Toperfolg “Coward of The County” und “Daytime Friends And Night Time Lovers” war ein bewegender Hit, der für immer nur mit Kenny Rogers und seiner unvergleichlichen, leicht heiseren bzw. sinnlichen Stimme in Verbindung gebracht wird, man nennt den Ansatz wohl auch “lasziv”, im positivsten Sinne des Wortes.
Kenny Rogers hat die Grenzen der Country Music mit seiner Musik weit ausgedehnt und ihr ein neues, städtisches Publikum erschlossen, was ihm auch massive Hits in den Pop Charts eingebracht hat, die meisten nach seinem 40. Geburtstag, was auch ein Phänomen darstellt. Schon am 14. September 1978 hatte er seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhalten. Mit “Buy Me A Rose” wurde er mit 61 Jahren zum ältesten Künstler, der je einen Nummer 1 Hit landen konnte in Billboard‘s Country Charts, er brach damit den Rekord von Hank Snow, der 1974 mit 60 Jahren “Hello Love” an die Spitze getragen hatte und wurde drei Jahre später vom damals 70-jährigen Willie Nelson als Rekordhalter abgelöst, der im Duett mit Toby Keith „Beer For My Horses“ an die Spitze trug. Kenny‘s Kommentar vorab: “men are from mars, women are from venus”, denn das Lied handelt vom gegenseitigen Unverständnis, mit dem die Geschlechter sich zeitweise begegnen und es beschreibt die Erlösung die eintritt, wenn man erst einmal gemerkt hat, was das jeweils andere wirklich möchte. Die esoterische Ader oder der „Freidenker“ spielt durchaus eine gewisse Rolle im Leben und Fühlen des Weltbürgers Kenny Rogers. Der Hit “Rueben James”, wo jeglichem Rassenhass mit selbstverständlichem Unverständnis begegnet wird, unterstrich dies schon 1969, ihm folgte auf der Bühne Soul Music mit seinem ganz frühen Hit “I Just Dropped In To See What Condition My Condition Was In”, seine Stimme bestens hierfür geeignet, keine Frage und keine Abstriche und noch mehr Rhythmus gab es bei “Bo Diddley”.
Kenny Rogers hat mit großartigen Sängerinnen Duetthits gelandet, unter ihnen Dottie West und Dolly Parton. Sein Lieblingsduett “We’ve Got Tonight” (Titelsong seiner LP von 1983) hat er mit Sheena Easton an die Spitze der Country Charts getragen, in Gstaad sang er es solo. Sehr schön das zu ihm passende Lied über Freundschaft “Have A Little Faith In Me”, wer geglaubt hatte, Kenny Rogers würde irgendwelche langweiligen Balladen singen, wurde mit jedem Lied eines besseren belehrt. Zu “The Gambler” spielte er auf den links und rechts von der Bühne angebrachten Leinwänden Ausschnitte aus allen fünf entsprechenden Filmen ein, u.a. war dort neben Kenny Rogers selbst Reba McEntire zu sehen, das Lied war 1978 sein fünfter Toperfolg, für drei Wochen Platz 1 in Billboard‘s Country Charts. Sodann blendete er zu seinem ersten Toperfolg zurück, “Lucille” von 1977. Diese markanten Hits in der Version des Mannes zu erleben, der sie zu zeitlosen Klassikern gemacht hat, war jegliche Anreise wert, auch wenn Kenny Rogers spürbar alles geben muss, um diese hochklassige Performance auch heute noch zu bringen. Aber, das tut er, der zweistündige Radiomitschnitt bei DRS-1 am Sonntag, den 14. September im „Country Special“ von 20 bis 22 Uhr bewies dies, eine Stunde gehörte ausschließlich dem Auftritt von Kenny Rogers. Sechs Wochen Platz 1 der Pop Charts, eine Woche an der Spitze der Country Charts, “Lady” aus der Feder von Lionel Ritchie, Gänsehaut, gigantisch. Lustig, wie er immer das Publikum in seine Show einbezog und wie er einen running gag daraus machte, wenn das erwartete Mitsingen eines Refrains seitens des Publikums schiefging. Er hat es verkraftet und erklärte, dass er nicht mehr das Mikrophon zur Seite legt, wie er es 30 Jahre lang gemacht hat, um von der Bühne zu gehen, und um für Zugaben zurückgeholt zu werden, sondern er gehe jetzt automatisch auf die Zugaben über, klar, dass dort “Islands In The Stream” anstand, das 1983 im Duett mit Dolly Parton parallel für je zwei Wochen an der Spitze der Country und der Pop Charts stand. Am Samstag gabs ein weiteres Lied zum Abschluss, aber dann galt die klare Ansage wie seinerzeit bei Elvis “He has left the building”. Die Energie, die er versprühte, die Freude, mit der er die Leute für sich gewinnen kann, das alles hinterließ jeweils ein restlos begeistertes Publikum, tosenden Applaus und standig ovations, zu Recht, keine Frage. Kenny Rogers sucht nach wie vor die Herausforderung, mit Erfolg.
Im September 2010 steht die 22. Country Night Gstaad an. Bis dahin darf man zehren von der wunderbaren Atmosphäre im Zelt der Alpengala, die 2009 von drei komplett verschiedenen Formationen erzeugt wurde, jeweils mit absolutem Spitzenkönnen und mit dem Effekt, das Publikum aus den Sitzen gehoben zu haben. Für alle Zweifler hatten Lady Antebellum in der Pressekonferenz eine gute Erklärung ihrer sehr modernen Country Music parat: Als Mitte der 70-er Jahre Waylon Jennings erfolgreich wurde, hatten viele ihm vorgeworfen, nicht Country zu sein und Dinge zu tun, die man in der Country Music nicht machen könne, inzwischen gilt er längst als Inbegriff authentischer Country Music. Auch für Lady Antebellum gilt, dass sie sich nicht vorschreiben lassen wollen, was man in der Country Music tun darf und was nicht, es kommt auf den Ansatz und das Können an. Kenny Rogers hat mit über 100 Millionen verkaufter Tonträger und einer Reihe von Awards, u.a. von Grammys und CMA, eine riesige Karriere erlebt, Lady Antebellum sind bei der CMA für die Awardsverleihung am 11.11.2009 nominiert für den Award als beste Country Band. Bei den drei Formationen des Jahres 2009 in Gstaad hatte alles gepasst und entgegen der Prognosen war sogar das Wetter gut. (Friedrich Hog)
Am Montag, den 27. April gibts bei Radio free FM von 20 bis 22 Uhr die nächste ANTISTATIC COUNTRY TIME. Stan Silver wird mein Studiogast sein. Am Dienstag, den 28. April gibts von 16 bis 17 Uhr bei Radio free FM eine PLATTFORM zum Africa Festival an Pfingsten im Kulturgewächshaus Birkenried mit Franz Keck als Studiogast. Wir werden natürlich das Bluegrass Meeting vom 04. bis 06. September an gleicher Stelle auch schon mal ansprechen. Wer für die Bellamy Brothers am 11. Mai im Four Corners Karten möchte, kann mir das mailen oder sagen, ich würde es Marianne und Bill gerne noch im April mitteilen. Auch für Lonestar haben wir noch ein kleines Kontingent frei, wer also am 01.07.2008 die Band im Four Corners sehen möchte, die mit "Amazed" acht Wochen lang auf Platz 1 der Country Charts stand, kann sich ebenfalls bei mir melden. Am 25. April haben wir kein Konzert, aber am morgigen Mittwoch, den 22. April spielen The Moonlighters aus New York bei Big Herbert in Illerberg wieder für uns. Bis dann und liebe GrüßeFriedrich
Mit Marty Stuart & Connie Smith startete am 30. & 31. Januar 2009 das 25. Internationale Country Music Festival im Züricher Schützenhaus Albisgütli. Sieben Wochen wird es dauern, mit wöchentlich fünf Tagen Livemusik, unvorstellbar für deutsche Verhältnisse. Am Samstag, den 31. Januar startete die Musik um 19.30 Uhr mit zwei Sets von Heinz Flückiger & Band (CH). Im Anschluss betraten Marty Stuart & The Fabulous Superlatives die Bühne, >>>> weiter
Im Himmel, da gibt’s kein Bier, drum trinkt es Flaco hier
Flaco Jimenez & Los Texmaniacs waren angesagt am Samstag, den 04. Oktober im Four Corners in Untermeitingen. Barry P. Foley hatte als Opening Act versucht, die Kälte aus der Music Hall zu vertreiben, sehr schön ist seine selbst verfasste neue Single „Airport Love Story“. Inzwischen wohnt der amerikanische Singer-Songwriter nicht mehr in Stuttgart, sondern in Franken.
Los Texmaniacs heizten sodann ein, ein Quintett zwischen Blues, Rock, Tex-Mex und Country. Ein funky gespielter E-Bass, elektrische Gitarre eines farbigen Bluesman und vielseitig bedientes Schlagzeug verlangten dem Publikum einen großen Ausflug weg vom Country in andere Gegenden amerikanischer Roots Music ab, wie sie ergänzt durch Bajo Sexto und Akkordeon aber im heimatlichen San Antonio, Texas gerne gespielt wird. Sehr dynamisch, kraftvoll und laut startete die Formation mit „It Was Good While It Lasted“. Cumbia in spanischer Sprache, Tex-Mex bei „Open Up Your Heart“ und Blues gaben sich die Ehre. Schön der Blick in die 30-er Jahre in einem Bajo Sexto – Akkordeon – Duell. So hatte der Tex-Mex einst begonnen, als Santiago Jimenez als junger Akkordeonspieler aktiv war. Seine Söhne Santiago jr. und Flaco sind beide in die Fußstapfen des Vaters getreten und Flaco Jimenez hat es zum weltbesten Akkordeonspieler gebracht. In den 90-er Jahren war er Teil der Texas Tornados, Doug Sahm und Freddy Fender sind zwischenzeitlich verstorben, nur Augie Meyers und Flaco Jimenez sind von jenem Quartett noch übrig.
Nach einiger Zeit mit Los Texmaniacs, die hochprofessionell und virtuos ihr Programm darboten, betrat Flaco Jimenez die Bühne, blaues Hemd und blaues Akkordeon. Der 69-jährige Flaco Jimenez, gebürtig in San Antonio, sang gleich zu Beginn seines Parts „In Heaven There Is No Beer“, deshalb trinken wir es hier. Nach wie vor erstaunlich seine Fähigkeiten auf dem Akkordeon, wenngleich er gesanglich meist im Duett zu hören war, nur ab und an solo. „Together Again“ war eines der wenigen ruhigeren Stücke, meist war die Musik druckvoll und schnell, was Flaco ohne Probleme bewältigte. Herausragend die Klassiker „Who Were You Thinkin‘ Of“ und „Hey Baby Que Paso“, mit denen 1990 die erste CD der Texas Tornados begann, „Texas Tornados“. Nach einer langen Autogrammpause spielten Los Texmaniacs eine harte Blues Show, ehe Flaco Jimenez mit „Wasted Days And Wasted Nights“ wieder hinzutrat. Diesem Freddy-Fender-Klassiker ließ Flaco unter anderem „He’ll Have To Go“ folgen, den Jim-Reeves-Klassiker, den er mit Ry Cooder gemeinsam gecovert hatte. Nachdem Flaco Jimenez offensichtlich Geschmack am deutschen Bier gefunden hatte, „Salute“, erhielt er am Ende der rauschenden Party Standing Ovations und mit „She’s About A Mover“ zog er schließlich von dannen. Einige Akkordeon-Duette im letzten Set hatten zuvor weitere Glanzlichter gesetzt. Flaco Jimenez ist eine Musiklegende und es war im Four Corners sicherlich eine rare Gelegenheit, ihm einmal zu begegnen. Trotz der heißen Musik war weit nach Mitternacht bei Antritt der Heimfahrt das Wasser am Autodach gefroren. (Friedrich Hog)
Aufgrund des kurzfristigen Ausfalls eines Auftritts in Frankreich war die texanische Spitzenformation Two Tons Of Steel am Sonntag, den 28. September 2008 spontan ins Four Corners in Untermeitingen eingeladen worden, um dort bereits zum zweiten Mal authentische texanische Country Music der absoluten Spitzenklasse zu spielen. Der Auftritt war auf 16 Uhr angesetzt. >>>>>weiter
Liederabend in der Liederhalle mit Emmylou Harris & Kimmie RhodesBerlin, München, Stuttgart innerhalb von drei Tagen, so gestaltete sich die Deutschland-Tournee von Emmylou Harris & The Red Dirt Boys im September 2008. Ins Vorprogramm geholt hat sich Emmylou ihre langjährige Freundin Kimmie Rhodes aus Spicewood, Texas. Gemeinsam gestalteten sie am Donnerstag, den 18. September 2008 einen in jeder Hinsicht stimmigen Liederabend im weitestgehend vollbesetzten Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart. weiter lesen...
Die Country Night im schweizerischen Gstaad fand am Freitag, den 12. September und Samstag, den 13. September 2008 zum 20. Mal statt. Wie immer war an beiden Tagen das Programm identisch, die Verpflegung fand in der dem Zelt der Alpengala angeschlossenen Tennishalle statt, was im Zelt selbst Konzertatmosphäre garantierte und einen durchweg problemlosen klaren und sauberen Sound bei der richtigen Lautstärke. Mit Clint Black hatte man als Headliner jenen Sänger verpflichtet, der im Jahr 1989 seine großartige Karriere gestartet hat, jenem Jahr, in welchem auch die Country Night Gstaad nach einer Idee von Marcel Bach zum ersten Mal stattfand. weiter lesen...
Country Sänger Mandy Strobel übernimmt komplette LP-Sammlung für 1 EURO
An einem regnerischen Tag also fuhren Mandy und seine Frau Elsy dorthin, wo Brunhilde lebt. Sie trafen eine außerordentlich fit wirkende ältere Dame an, die nicht so aussah, als habe sie schon komplett mit ihrem Leben abgeschlossen. Aber, so erläuterte sie, sie habe die 70 nun schon seit einigen Jahren überschritten, und man wisse ja nie, was am nächsten Tag sein werde. Daher sei in ihr die Erkenntnis gereift, dass es für sie besser wäre, die komplette Sammlung sei anderswo in guten Händen, als dass sie bei ihr bliebe und später ihrem Schicksal überlassen werde. Bei einem schönen Mittagessen, das Mandy in einer nahegelegenen Gaststätte ausgerichtet hat, wurden von Brunhilde und Walter herrliche Geschichten aus den jüngsten Dekaden berichtet, von Hank Snow bis Mandy Strobel.
Und Hank Snow fand sich mit seinen Originalschallplatten dann auch in der Plattensammlung, ebenso wie Johnny Cash und viele andere Klassiker, liebevoll zusammengestellt. Über die Hillbilly-Guesthouse-Sendungen des AFN (Mittelwelle) hatte Brunhilde Ratzel ursprünglich die Country Music entdeckt und nun durfte sie zusehen, wie in Kleinst- und gleichzeitig Schwerstarbeit ihre LP-Sammlung gen Ulm verfrachtet wurde. Langeweile wird bei Brunhilde Ratzel nicht einziehen, denn sie liest gerne Science Fiction und wird auch ohne die Sammlung rege bleiben, ihr Wohnzimmerschrank bietet nunmehr genügend Lücken, um neue Ideen zu verwirklichen.
Nur die Sendungen von Walter Fuchs, die zuletzt bei RPR 2 am Sonntag von 21 bis 24 Uhr ausgestrahlt wurden, vermisst sie sehr und da sie kein Internet betreibt, weiß sie gar nicht, was sie an Country Music - alt und neu - dort darüber hinaus vermisst. Das mit dem EURO hat dann übrigens nicht ganz so geklappt wie angedacht, Mandy hatte nämlich keinen EURO mehr, also übergab er an Brunhilde ein 2 EURO-Stück - unter Verzicht auf das Rückgeld.
So ist nun eine neue Freundschaft zwischen Schwaben und Baden entstanden und Mandy wird womöglich bald den einen oder anderen Song auf der Bühne vorstellen, den er nie entdeckt hätte, hätte er sich nicht mit dieser Sammlung beschäftigt. Am Samstag, den 20. September kann man Mandy Strobel um 20 Uhr im Schüttekeller in Bühl-Baden live erleben. Er wird einmal mehr mit seiner Stimme, die unmittelbar an Johnny Cash erinnert, und seinen Liedern für Zuhörathmosphäre und Begeisterung sorgen, diesmal unter der Überschrift „Johnny Cash Memorial“. (Text Friedrich Hog, Fotos: Elsy Strobel)
Kris Kristofferson mit vielen Zugaben im Cirkus Krone Am Montag, den 14. Juli 2008 machte Kris Kristofferson im Rahmen seiner Europatournee in München Station. Der Mann, seine akustische Gitarre und seine Mundharmonika waren in Verbindung mit den von ihm selbst verfassten Liedern Anziehungspunkt für viele Fans, die nicht nur aus München selbst angereist waren. Weshalb er sich die Strapazen einer Tournee noch antut, konnte der Weltstar Jahrgang 1936 im Rahmen seiner 30 Minuten andauernden Zugaben sich und seinen Fans in mitten standing ovations am praktischen Beispiel beantworten.
Pünktlich um 20 Uhr erschien Kris Kristofferson auf der Bühne, schwarz gekleidet, neben ihm nur der Tisch mit einem Energy Drink, dazu ein Ständer für das Gesangsmikrophon, zwei Monitorboxen und drei Mal zwei Scheinwerfer. Sehr aufgeräumt also die Bühne, passend zum Gesamtauftritt des Meisters, der sehr stimmig herüberkommt, in sich ruhend, souverän, wissend um die Probleme in der Welt und die Möglichkeiten und Verpflichtungen, Dinge zu bewegen. “Me & Bobby McGee” bereits als drittes Lied, Janis Joplin hatte mit ihrer Aufnahme hiervon posthum einen Welthit gelandet. In “Johnny Lobo” beschreibt Kristofferson die Lebensgeschichte von John Trudell, einem Mann, der das Wort “Meinungsfreiheit” ernst genommen hatte, in einer Zeit, in der die amerikanische Flagge ähnlich wie heute von den Machthabern entehrt worden war, der symbolisch ein Exemplar verbrannt hatte und der wenige Stunden später erfahren musste, dass man sein Haus angezündet hat, in dem seine Frau und seine Kinder verbrannt sind, der den Mord an seiner Familie nie aufgeklärt bekam, der Politiker war, Indianer, heute Singer-Songwriter ist mit entsprechender über 25-jähriger Geschichte.
Menschen, die einen Preis dafür bezahlt haben, dass sie an die Freiheit glaubten, sind Thema vieler seiner Lieder, Freiheit, die doch Menschenrecht, Grundrecht ist. Sei es Argentinien, wo durch die Regierung Menschen verschwinden, sei es der Irak, wo durch seine eigene Regierung in einem anderen Staat Menschen getötet werden, versehentlich und absichtlich, “Nobody Wins”. Kris Kristofferson setzt die Botschaft “Barrack Obama” dagegen, der erste Politiker seit Präsident Kennedy, der richtig etwas bewegen kann und der den wahren amerikanischen Geist verkörpert, der nicht den Traum in sein Gegenteil verkehrt, “The Heart Is All That Matters”, geschrieben für seinen Vater. “They Killed Him” schrieb Kristofferson für Dr. Martin Luther King, Ghandi, Jesus und die Brüder Kennedy, sowohl Johnny Cash, als auch Bob Dylan haben dieses anklagende Lied gecovert.
Nach seinem Studium, das er u.a. im englischen Oxford absolviert hat, hatte Kris Kristofferson bereits in den 60-er Jahren begonnen, Lieder zu schreiben, die wenige Jahre später so bedeutungsvoll geworden waren, dass sie ganz Nashville in ein neues Zeitalter geführt hatten. Die Poesie war mit Kristofferson in den Vordergrund getreten, einfühlsame Texte und herrliche Liebeslieder waren entstanden, “Loving Her Was Easier” oder “Help Me Make It Through The Night” oder auch “For The Good Times”. Diese Klassiker waren in München ebenso Thema wie einige neue Lieder aus der CD “This Old Road” von 2007, einschließlich des Titelsongs. Unbekanntere Songs wie das von Johnny Cash gecoverte “Other Side Of Nowhere” fehlten auch nicht, geniale Lieder, die oft zu gut sind, um Charthits werden zu können. Die Schaffenskraft des Meisters ist offensichtlich nicht erschöpft, auch die Bühnenpräsenz nach wie vor beeindruckend, der Spirit ergreift das Publikum in jeder Phase des Konzerts. Von 20.45 Uhr bis 21.00 Uhr war eine kleine Pause, der zweite 45-minütige Set wurde ergänzt durch 30 Minuten Zugaben, das Publikum wollte Kris Kristofferson nicht gehen lassen und er hatte große Freude, ein paar weitere Lieder zu spielen, “Jody And The Kid”, “Pilgrim Chapter 33”, “To Beat The Devil”, “Sunday Morning Coming Down”, Silvertongued Devil And I”, “Don’t Let The Bastards Get You Down” ... . Verdientermaßen umjubelt, das Original, Country Music Hall Of Fame Mitglied seit 2004, Kris Kristofferson. (Friedrich Hog)
Hall Of Fame „Hautnah“
Emmylou Harris, Tom T. Hall, die Statlers und Pop Stoneman sind die neuen Mitglieder der Country Music Hall Of Fame 2008. Das wurde diese Woche in Nashville bekannt gegeben. Emmylou Harris brachte in den 70-er Jahren feinfühlig die Poesie in die Country Music,
Tom T. Hall ist ein Storyteller und journalistischer Beobachter erster Güte und die Statlers haben mit ihrem vierstimmigen Harmoniegesang Country Music Geschichte geschrieben. Alle Künstler haben die Ehrung mehr als verdient.
Mit ihrer Reise zur IBMA-Woche nach Nashville waren die Country & Western Friends Kötz im Oktober 2007 genau am richtigen Ort. Wir trafen “hautnah” Tom T. Hall, Jimmy Fortune (Tenorsänger der Statlers) und natürlich Emmylou Harris.
Wer sich uns anschließen möchte, kann sich unter info@cwf-koetz.de für die nächste Reise in die USA registrieren lassen. Bestimmt haben wir wieder die richtigen Leute um uns herum. (Friedrich Hog)
V.A. – Who Will Calm The Storm – Live In Holland, SCR-26
Del McCoury & The Dixie Pals: Little Maggie / A Good Man Like Me / No One Will Ever Know / Daley’s Reel / Bob Paisley & The Southern Grass: Two Little Boys / Fire On The Mountain / Jerrycan: No One Else / Here Today / Dick Staber & Yonder City: Blue Diamond Mines / Kittatiny Ridge / Good Ol’ Persons: Broken Tie / Easy Substitute / Jesusita En Chihuahua / Liz Meyer: Who Will Calm The Storm / Cecil / I’m So Lonesome I Could Cry / High Country: Katy Hill / Are You Tired Of Me / Whetstone Run: Thought Of Glory / Tennessee Blues / I’m Not That Good At Goodbye
In Holland gibt es eine recht lebendige Bluegrass-Szene. Abgesehen davon, dass Gruppen wie Groundspeed oder 4 Wheel Drive dort ihren Ursprung genommen hatten, haben die Holländer jedes Jahr im Mai die EWOB, European World Of Bluegrass. Im Rahmen dieses Daches lassen sich neben europäischen Bands immer wieder auch hochkarätige US-Acts herüberholen. Auch außerhalb Hollands kann man im Mai mit den anwesenden Bands Konzerte veranstalten, die dann zur EWOB gehören. Anlässlich der EWOB erscheint jeweils eine CD der wichtigsten teilnehmenden Künstler, 26 Lieder enthält z.B. die Ausgabe des Jahres 2007. Über die Veranstaltung des Jahres 2008 gibt’s Infos unter www.ewob.eu.
Die vorliegende CD ist ein Zusammenschnitt verschiedener CD’s bzw. LP’s des holländischen „Strictly Country“-Labels von acht verschiedenen Künstlern des Bluegrass. Erschienen ist die CD 1991, die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1983 bis 1987. Sie liefen aber durch die bewährte Hand von Peter Groenveld, klingen daher frisch und absolut professionell.
Den Anfang machen Del McCoury & The Dixie Pals mit traditionellem Bluegrass, Ronnie McCoury damals bereits an der Mandoline dabei, neben Vater Del McCoury an Gesang und Gitarre. Mit Bob Paisley & The Southern Grass folgt eine weitere traditionelle Band im Stil der Appalachen, Dan Paisley damals schon an Gitarre und Gesang neben dem Vater gestanden und heute, nach dem Tod von Bob Paisley, der Bandleader. Mit Jerrycan folgt eine der großen holländischen Bluegrass Bands jener Zeit, Peter Groenveld war der Mandolinist. Die Musik von Jerrycan kommt ebenfalls traditionell daher, wobei der Gesang durch seinen relaxten Grundton eine andere Richtung einschlägt, als das bei den Paisleys meist der Fall ist. Sehr schön, ja fast schon heilsam die Delia Bell/Bill Grant-Adaption „No One Else“. Geben Jerrycan den Weg in eine lebendige Gefühlsweg frei, so setzten ihn Dick Staber & Yonder City konsequent fort, Old Time ist angesagt, zeitgemäß aufbereitet in der Jean-Ritchie-Komposition „Blue Diamond Mines“ und geheimnisvoll untermalt bei der Dick-Staber-Komposition „Kittatiny Ridge“. Gefühlvoll setzten die Good Ol‘ Persons fort in der Besetzung Kathy Kallick, John Reischman, Sally Van Meter, Paul Shelasky und Bethany Raine. „Easy Substitute“ beschreibt die Schwierigkeit, sich ohne Liebe und Nähe dem Leben zu stellen, nur immer Telefon geht auf Dauer nicht gut; eine echte Perle. Liz Meyer arbeitet in ihrer Eigenkomposition „Who Will Calm The Storm“ u.a. mit Chris Jones zusammen, „Cecil“ zeigt sie solo mit Gitarre und „I‘m So Lonesome I Could Cry“ stellt eine Zusammenarbeit mit der Formation High Country dar, die in den 80-er Jahren ebenfalls gerne nach Europa gekommen ist. Sie setzen bei „Katy Hill“ gekonnt und flott fort. Butch Waller erweist sich als flinker Meister der Mandoline, er war seinerzeit noch mit Kathy Kallick verheiratet. „Are You Tired Of Me My Darling“ wurde von A.P. Carter festgehalten, hier ist wieder die insgesamt ruhige Gesamtstimmung der CD vorherrschend. Zum Abschluss betreten Whetstone Run die Bühne mit Lynn Morris, Chris Jones, Marshall Wilborn und Lee Olsen. Aus dieser Formation ging bald schon die Lynn Morris Band hervor, der auch Chris Jones lange Zeit angehört hatte. „Thought Of Glory“ ist ein Gospelstück mit mehrstimmigem Satzgesang, der „Tennessee Blues“ fetzt zur Abwechslung nochmals kräftig, Lee Olsen an der Mandoline und Lynn Morris am Banjo geben sich ein Stelldichein, ehe es bei „I‘m Not That Good At Goodbye“ aus der Feder von Don Williams und Bob McDill filigrane Singer-Songwriter-Kunst gibt.
Die CD könnte als Grundstein für weitere Alben aus dem Hause Strictly Country gedacht sein, weitere Bluegrass-Künstler sind auf dem Label vertreten, das inzwischen ein beachtliches Repertoire unterschiedlicher Künstler beheimatet. (Friedrich Hog)
Amerikanische Bluegrass Band für 350 Schüler in Bühl/Baden
Bluegrass ist nicht als alltäglicher Unterrichtsstoff in Schulen vorgesehen. Am Mittwoch, den 11. Juli 2007 genossen jedoch 350 Schüler der Klassen 7 bis 11 aus diversen Schulen (Gymnasium, Realschule, Hauptschulen) in Bühl/Baden eine volle Zeitstunde Bluegrass-Unterricht mit Valerie Smith & Liberty Pike. Man traf sich im Bürgerhaus Neuer Markt, wo im Mai immer das internationale Bluegrass Festival stattfindet. Anhand unterschiedlicher Musikbeispiele und entsprechender Erläuterungen zeigte die Band den Schülern die Herkunft des Bluegrass, sein Instrumentarium, seine variantenreichen Gesangsstile und holte einzelne Schüler mit auf die Bühne.
Die Idee hatte Karl Heinz Siber, der Valerie bei ihrer kurzfristig angesagten Deutschlandtournee behilflich war. Er rannte mit seiner Idee offene Türen ein bei Walter Fuchs und der Stadt Bühl, die vom Gedanken begeistert waren, den Bluegrass exklusiv einem jugendlichen Publikum zugänglich zu machen. Rasch waren die Verbindungen zu der örtlichen Lehrerschaft hergestellt, zu der auch Musiklehrer Bernfried Adler gehört, selbst Gitarrist, Banjo-Spieler und Steel-Gitarrist, insbesondere bei der Country Band “Southbound”.
Um 10.30 Uhr traf man sich im Saal des Bürgerhauses, der für eine Stunde in einen überdimensionalen Musikhörsaal verwandelt wurde. Mit viel Elan ging Valerie Smith die Sache an, die in den USA ähnliche Veranstaltungen auch wahrnimmt. Nach dem Lied “Dandy Darling” berichtete Valerie aus der Geschichte des Bluegrass, die 1946 mit Bill Monroe aus Rosine, Kentucky begonnen hatte. Gospel, Blues, die Old Time Stringband Musik und deren Vorläufer, der Irish Folk, bilden die Wurzeln des Bluegrass. Man erfuhr, dass der Vater des Bluegrass, Bill Monroe, als einziger Bluegrass-Musiker Mitglied der Rock’n’Roll Hall Of Fame ist, weil er einen wichtigen Stil der amerikanischen Musik kreiert hat und seine Komposition “Blue Moon Of Kentucky” vom King des Rock’n’Roll, Elvis Presley, aufgenommen wurde. Brandon Bostic sang sodann dieses Lied.
Das Instrumentarium beinhaltet den Kontrabass, dessen unterschiedliche Spielweisen Bobby Davis exemplarisch herausarbeitete. Während der Bass für den Rhythmus, den Beat, einer Band verantwortlich ist, steht die Mandoline für den Off-Beat und wird häufig als Soloinstrument eingesetzt. Ursprünglich aus Italien stammend hat das Instrument in den USA seine Form verändert. Bill Monroe ergriff in jungen Jahren die Mandoline, da seine älteren Geschwister die anderen Saiteninstrumente bereits für sich in Anspruch genommen hatten. Mit der Übernahme etlicher Blues-Licks holte er viele afrikanische Einflüsse in sein virtuoses Spiel und damit in den Bluegrass. Becky Buller, deren Namen von Bühler wie Bühl/Baden abgeleitet wird, erläuterte gekonnt das kleine achtsaitige Instrument, das manche gerne als Stehbass für Kleine oder gar als getrocknetes Eichhörnchen bezeichnen. Mit seinem Stil hatte Bill Monroe in den 40-er Jahren das Spiel auf der Mandoline komplett erneuert und eine Revolution in der Musik ausgelöst. Dobro-Virtuose Chad Graves erläuterte sodann die akustische Gitarre, die in der Band von Bill Monroe, den Bluegrass Boys, 1946 von Lester Flatt übernommen und zum Soloinstrument gemacht wurde. Brandon Bostic stellte den zusammen mit Lester Flatt zu den Bluegrass Boys gekommenen Earl Scruggs vor, der den Dreifinger-Stil auf dem fünfsaitigen Banjo in den Bluegrass einbrachte. Das von den Afrikanern in die USA eingeführte Instrument gibt dem Bluegrass die Würze, meinte Valerie Smith. Der bekannte “Foggy Mountain Breakdown” erklang zur Demonstration der Wirkung des Banjos. Am Ende der Stunde konnte Becky Buller noch das Frailing vorstellen, den alten Claw-Hammer-Stil auf dem Banjo, der nur mit den Fingern gespielt wird.
Chad Graves stellte auch noch seine Resonatorgitarre vor, als Resophonic Guitar oder auch Dobro bekannt. Zwei Brüder aus der Slovakei, die Dopyera Brothers John und Rudy, fügten im Kalifornien der 20-er Jahre den Resonator zur akustischen Hawaiian Steel Guitar hinzu, die dadurch einen lauteren und veränderten Klang erhielt. Josh Graves, nicht verwandt mit Chad Graves, spielte ab den 50-er Jahren dieses Instrument in der Band von Lester Flatt & Earl Scruggs und trug so seinen Teil zur musikalischen Revolution jener aufregenden Zeit bei. Mit Hilfe des Dobros lässt sich im Bluegrass herrlich die Blues-Atmosphäre aufbauen. Der “Wabash Cannonball” wurde als Hörbeispiel eingestreut. Abschließend vertrat Becky Buller die Ansicht, dass die Fiddle das schönste Instrument des Bluegrass sei, ursprünglich als Violine bekannt. Mit ihrer Hilfe kann man die irischen Einflüsse des Bluegrass besonders gut darstellen und als Klassiker der Fiddle-Musik stellte sie den “Orange Blossom Special” vor, die Vertonung einer Fahrt jenes legendären Zuges, der an der Ostküste der USA von Florida bis hoch nach Maine unterwegs war. Die Zugpfeife lässt sich mit der Fiddle ebenfalls künstlerisch umsetzen.
Valerie Smith drückte einem Schüler eine Mandoline in die Hand, gab einige Infos zu den Griffen und so durfte er auf der Bühne gleich mitspielen, ehe es um den „High Lonesome Sound“ ging, den von Bill Monroe kreierten Gesangsstil des ursprünglichen Bluegrass, hoher Falsettgesang. Über Harmoniegesang lässt sich viel Variation in die Darbietung einer Band bringen, Duett, Trio oder Quartett. Bei den in den USA häufig „open air“ stattfindenden Bluegrass Festivals, so berichteten die Künstler, sitzen oft ganze Familien unter einem Baum und zupfen auf mitgebrachten Instrumenten. Als Beispiel für Bluegrass-Gospel, bei dem der Gesang im Quartett besonders häufig vorkommt, sang die Band “Make Him A Soldier”. Gegen Ende der Unterrichtsstunde erwähnte die Band den Film “O Brother Where Art Thou”, über dessen Soundtrack-CD die Bluegrass Musik vielen Millionen von Hörern vertraut wurde. “Man Of Constant Sorrow” aus diesem Film erklang und man dokumentierte, dass über Flatt & Scruggs & The Foggy Mountain Boys der Bluegrass bereits in den 60-er Jahren ins Bewusstsein des Fernsehpublikums gelangt war, über die Serie “The Beverly Hillbillies” und dem Song “The Ballad Of Jed Clampett”. Chad Graves sang diesen Hit im relaxten Stil von Lester Flatt.
Valerie Smith & Liberty Pike stehen für Contemporary Bluegrass, eine moderne Spielweise, die Singer-Songwriter-Kunst integriert und andere Gesangsstile als den High Lonesome Sound zulässt, ferner mehr und mehr instrumentelle Freiheiten, wobei Improvisation schon immer zum Bluegrass gehörte, vergleichbar mit dem Jazz.
Karl Heinz Siber bedankte sich für die Aufmerksamkeit und Begeisterung, mit der die Schüler die Darbietung aufnahmen. Er stellte Brandon Bostic vor, der einer von ihnen sein könnte, denn er ist nur zwei Wochen zuvor 18 Jahre alt geworden und hat gerade das Abitur bestanden. Mangels anderweitiger Beschäftigungsmöglichkeiten übe er so viel, dass er schon mehrere Instrumente spiele und nun Musikprofi sei, meinte Brandon auf entsprechende Nachfrage. Die Fragerunde förderte zu Tage, dass es in einem Tourbus aufgrund des Gepäcks immer eng zugeht und mündete schließlich in eine Tanzstunde. Clogging war angesagt, der Nationaltanz des Bundesstaates Kentucky. Die Band spielte, z.B. “In Those Mines” und “Angeline Baker”, Valerie holte sich aus dem Publikum Schüler auf die Bühne, die mittanzen durften. Was zunächst zaghaft ausgeführt wurde, klang beim Verlassen des Saals schon als Superleistung der Jugendlichen, cool fanden sie das alles und etliche holten sich noch rasch Autogramme oder liessen sich zusammen mit Valerie Smith fotografieren. “Wunderbar” war Valerie’s Schlusswort und das darf so auch über die gesamte Veranstaltung gesagt werden, die eine tolle Werbung für die Bluegrass Music war und die dem 6. Internationalen Bühler Bluegrass Festival am Samstag, 03. Mai 2008, vielleicht sogar zum Überspringen der 850-Zuschauermarke helfen wird. (Friedrich Hog)
Still On The Hill – ein wahres Schauspiel
Ein Folkduo, die Einflüsse sind Old Time Music, Bluegrass, ein wenig die Hippie-Kultur, sicher Bob Wills, Hank Williams und Townes Van Zandt. Ihre Bühnenshow am Montag, den 21. Mai 2007 im Alten Sportheim Vöhringen-Illerberg war wieder ein wahres Schauspiel und ein Traum für alle, die ein offenes Ohr haben für musikalisch erzählte Geschichten und Gedichte, absolut virtuos in Szene gesetzt von Donna Henschell an Gesang und Fiddle, sowie Kelly Mulhollan an Gesang, Clawhammer Banjo, Gitarre und Mandoline. Mit drei ausführlichen Sets erfreuten Still On The Hill ihr Publikum, das die Kultstätte diesmal bedauerlicherweise nicht ganz gefüllt hat. Die Musiker fühlten sich aber wohl, trotz heftigen Gewitters unmittelbar vor dem Konzert lieferten sie ein Feuerwerk ab, das allen in bester Erinnerung bleiben wird.
Aus den Ozark Mountains in Arkansas kommen sie, Still On The Hill, Donna ist mit der Musik von Bob Wills und Hank Williams aufgewachsen, Kelly hat klassische Musik studiert und , als er im Januar 1997 vom Tod seines Idols Townes Van Zandt erfahren hatte, sogar ein Lied geschrieben, das ihm gewidmet war: „Could I Borrow That Arrow“, könnte ich den Pfeil mir ausleihen, der Dein verwundetes Herz durchbohrt hat, der Dich Lieder schreiben ließ, die Dich einmalig machten? Kurzgeschichten sind oft die Lieder von Still On The Hill, meist haben sie eine Botschaft wie „Du kannst die Toten nicht zurückbringen, also, weshalb weinst Du? Lebe besser Dein Leben, solange Du die Chance hast, es zu tun“. Ihr Vortrag ist natürlich und lebendig, bewegt und schön, zwingt zum Zuhören, eröffnet neue Welten. Die Lieder beschreiben meist kleine Begebenheiten oder Menschen in ihrer speziellen Umgebung wie „Mister Boze“, einen alten Fiddle-Bauer in den Ozarks, der in einem ärmlichen Haus mit Rissen lebte, wo Zeitungen vorhandene Löcher stopften. Aber, er lebte reichlich umgeben von schöner Musik, was also ist Armut, was Reichtum? „Scarecrow“, Vogelscheuche zeigt Verbindungen zu ihrer eigenen Geschichte auf, nie haben sie komplett in ein Bluegrass Festival gepasst, ihre Musik hat viele unterschiedliche Hintergründe und ist einmalig, kreativ, second to none. Wer sie deshalb verjagt, verpasst all dies. Ein Spaziergang vor dem Konzert inspirierte sie, wieder einmal das Lied vom Kuckuck zu singen, denn sie haben einen gehört, eine Rarität, ein Gast im Publikum setzte spontan und gekonnt den Laut des Vogels an die geeigneten Stellen. Langston Hughes kam zu Wort, der Kampf gegen die Rassentrennung wurde mit einem Fiddle-Solo dargestellt, Kelly am Clawhammer Banjo. „Move It On Over“ (Hank Williams 1947) war zu hören, nach dem „Oakie Boogie“ von Jack Guthrie von 1946 die wohl zweitälteste Rock’n’Roll-Nummer der Musikgeschichte, als der Begriff diesem Stil längst noch nicht zugeordnet war. „Round Barn“ gab dem Teufel keine Möglichkeit, sich in einer Ecke zu verstecken, weshalb es sich dort so schön lieben lässt. Ein echtes Liebeslied war „These Two Arms“ und von Jean Ritchie kam „The L & N Don’t Stop Here Anymore“, in der kleinen Kohlenbergwerksgemeinde in Kentucky hält kein Zug mehr, da der Bergbau abgeschlossen ist und die Menschen den Ort großteils wieder verlassen haben.
Ein Markenzeichen von Still On The Hill ist „Beautiful Butterfly“, eine junge Frau, Julia Hill, war auf einen Mamutbaum geklettert, der über 1.000 Jahre alt ist, um ihn und alle anderen wertvollen alten Bäume vor dem Abholzen zu schützen. Zwei Jahre lang lebte sie auf dem Baum, ohne sich vertreiben zu lassen und ohne den Boden je zu betreten. Mit dieser Aktion hat sie den Menschen die Augen geöffnet und zwei Wochen vor dem Konzert in Illerberg war sie im Publikum, als Still On The Hill in Arkansas im Rahmen des Earth Day aufgetreten waren. Die gefragte Buchautorin hatte natürlich längst die CD „Chaos & Calm“ von Still On The Hill, wo das Lied enthalten ist.
Mit Jimmie Rodgers‘ „T For Texas“ und „The Ghost Of The Crescent Hotel“ ging’s schon dem Ende entgegen, auch Donovan’s „Colours“ leuchteten. Mit ihrer Reise durch die Welt der Ozarks haben Still On The Hill die Herzen ihrer Zuhörer geöffnet, nächstes Jahr wollen sie wieder nach Europa kommen. (Friedrich Hog)
Suzie Candell bei Radio free FM
„I Gotta Be Me“ heißt das erste Album der aus Kempten im Allgäu stammenden Sängerin Suzie Candell, die im Frühjahr 2006 ihr Abitur gemacht hat. Mit „Leaving This Town“ hatte sie bereit 2006 ihre erste Single herausgegeben, das dazugehörige Video lief bereits in „Country Roads“ auf 3-SAT. Nachdem sie auf den Country Music Messen in Nürnberg im November 2006 und Berlin im Februar 2007, jeweils von der Cripple Creek Band begleitet, live auf sich aufmerksam gemacht hatte, und auch bei der Awards-Show der GACMF in Erfurt vergangenes Jahr einen tollen Fernsehauftritt hatte, war es nur logisch, dass ich die nette junge Sängerin in meine Sendung ANTISTATIC COUNTRY TIME bei Radio free FM in Ulm einlud. Am Montag, den 30. April ergab sich die Möglichkeit, die gemeinsame Sendung zu machen, und so freute ich mich auf Suzie.
Vor der Sendung waren wir noch ein wenig in Ulm unterwegs, um 20 Uhr startete die Sendung, wie immer mit Mandy Strobels Jingle. Nach einigen musikalisch untermauerten Konzerttipps legten wir gegen 20.45 Uhr los und hatten bis 22 Uhr viel Freude mit der Musik von Suzie’s CD, aber auch mit CD’s die sie sich gewünscht hatte von Leuten wie Emmylou Harris, Keith Urban oder den Dixie Chicks, ihren heiligen Kühe, wie sie meinte. Über die Verbundenheit ihres Vaters zur Country Music war Suzie ebenfalls zur Country Music gekommen. Der Amerikaner Ron Gardner schreibt den Großteil ihrer Lieder, auch die aktuelle zweite Single „Billy Loves His Car“, die im April von null auf Platz 2 in die deutschen Country Airplay Charts eingestiegen ist. Ron war bei der Produktion der CD auch sehr behilflich, ebenso wie Helmut Limbeck von der Cripple Creek Band. In wenigen Tagen startet Suzie zu ihrer Europatournee, die sie u.a. nach Frankreich, Polen und Österreich führt, wo sie von den Bellamy Brothers eingeladen wurde, ihren Auftritt zu eröffnen. Für eine zum 30. Todestag geplante Elvis-Presley-Tribute-CD hat Suzie Candell bereits „All Shook Up“ aufgenommen, Elvis hatte 1957 damit Platz 1 der Country Charts und der Pop Charts in Amerika erreicht. Die Tribute-CD wird u.a. auch einen Titel von Mandy Strobel enthalten, der ebenfalls ein wenig zum Gelingen der Sendung beitrug. Das Album ist ab Juli erhältlich.
Suzie Candell erwies sich als äußerst positive Erscheinung am Country Himmel, sie genießt unsere uneingeschränkte Empfehlung, verbunden mit der Hoffnung, dass sie auch ein jüngeres Publikum begeistern kann. Suzie hat übrigens zwei Pferde, mit denen sie ihre Freizeit teilt und kann erreicht werden über die e-mail-Adresse rentanartist@aol.com. Ihre website lautet www.suzie-candell.com.
Die ANTISTATIC COUNTRY TIME gibt’s bei Radio free FM übrigens jeden letzten Montag im Monat von 20 bis 22 Uhr, ferner gibt’s uns jede Woche in der Nacht von Sonntag auf Montag von Mitternacht bis 2 Uhr mit der Sendung AMERICANA. Konzerttipps, Neuerscheinungen, Blicke in den Kalender und die aktuellen Country Top 20 und vieles mehr gibt’s jeweils zu hören, Singer-Songwriter, Bluegrass, Cajun, Tex-Mex und noch viel mehr. Die terrestrische Frequenz ist UKW 102,6, wir sind auf diversen Frequenzen in und um Ulm herum im Kabelnetz vertreten und weltweit zu empfangen über www.freefm.de (button „Livestream“). Ebenso kann man uns über www.countrymusic24.com empfangen. (Friedrich Hog)
Oldtime, Honky Tonk, Hank & Rockabilly: The Wilders
Mit wenigen Worten kann man die Musik der Wilders aus Kansas City, Missouri zusammenfassen. Die Eindrücke, die sie hinterlassen, sind jedoch äußerst vielschichtig. Vor 50 geladenen Gästen spielten die Wilders am Donnerstag, den 10. Mai 2007 im Alten Sportheim Vöhringen-Illerberg ihre energiegeladene Mischung aus Old Time, Honky Tonk, Hank Williams und Rockabilly.
Aus Amsterdam kamen sie gegen 20.30 Uhr angereist, 20 Minuten später legten sie mit ihrer dynamischen Show los, dass es eine wahre Freude war. Dabei ist das Wort “Show” nicht exakt zutreffend, denn die drei Musiker und ihre Fiddlerin Betse Ellis zelebrieren ihren tatsächlichen Lebensstil, wenn sie auf der Bühne stehen. Das ist authentisch, echt und aufregend vom ersten bis zum letzten Ton. Phil Wade ist für Clawhammer Banjo, Dobro und Mandoline zuständig, Ike Sheldon aus Phillipsburg, Missouri spielt die Gitarre und ist meist der Leadsänger und Nate Gawron bedient den Kontrabass. Betse ist in den Ozark Mountains in Arkansas aufgewachsen, während Phil und Nate aus Kansas City, Missouri stammen, wo die Band auch beheimatet ist. Vier CD’s haben sie bereits veröffentlicht, “Spring A Leak” und “Throw Down” sind die beiden jüngsten. Mit pfiffigen Instrumentals können sie überzeugen, aber gesanglich passt alles ebenso gut zusammen. Durch die Vielfalt der Instrumente konnte die Band diverse Stimmungen aufleben lassen, Mountain Music bei Banjo, Bluegrass bei Mandoline, Blues bei Dobro. Alles aber aus einem Guss, niemals artfremd, trotz aller Vielfalt der musikalischen Stile.
Mit “Seven Lonely Days” von Patsy Cline verbanden sie die positive Aussage, dass das hiesige Publikum sich eher um langsame Titel kümmert, als das amerikanische. Der “V-8 Blues” blendet zurück in die 30er Jahre, als erstmals der Achtzylindermotor für Overdrive auf den Straßen sorgte. Sofern man Benzin und Alkohol nicht mischt, sei alles noch überschaubar, zumindest zur damaligen Zeit, meinten sie. Unübertrefflich diese Formation, die Spaß und Unterhaltungswert mit musikalischem Können zu verbinden versteht, wie kaum jemand sonst. Wunderschön daher auch Buck Owens’ “There Goes My Love”. Nach rasantem Oldtime folgte ein gemächlicher “Honky Tonk Man” à la Johnny Horton. Betse Ellis sorgte alleine mit ihrem Gesang und ihrer Fiddle für einen Höhepunkt, als sie “Further On” sang. Eigene Lieder haben sie durchaus auch zu bieten, wie das dynamische “Honky Tonk Habit” von Nate Gawron und “Once More” kam im ursprünglichen Stil von Roy Acuff daher, sehr individuell phrasiert, schön, dass man das auf einer Bühne noch erleben darf!
Roger Miller’s “Kansas City Star” durfte nicht fehlen und viel zu schnell war es Mitternacht geworden, was das total begeisterte Publikum nicht davon abhielt, die Band noch für ein paar weiter Stücke dazubehalten. Die Wilders sind derzeit auf ausgedehnter Deutschlandtournee und haben offensichtlich große Freude daran. Am Donnerstag, den 24. Mai gastieren sie beispielsweise im Ulmer Zelt in Ulm an der Donau, jener Stadt die mit dem Münster den höchsten Kirchturm der Welt zu bieten hat. Die Wilders im Ulmer Zelt, das ist Kult, Kultur und mehr. Wer an anderer Stelle Gelegenheit hat, die Wilders einmal live zu erleben, darf sich das auf keinen Fall entgehen lassen, sie sind auch in Nashville eine echte Sensation und stechen in jedem Lineup äußerst positiv hervor.
Was macht eigentlich Barbara Clear? Sie lässt sich nicht in eine Schublade einsortieren, lehnt konsequent die Arbeit mit einer Plattenfirma ab und setzt auf komplette Eigeninitiative. Auch die "Country-Szene" in Deutschland, für diejenigen, die so etwas zu erkennen glauben, ist nicht ihre Heimat. Am Donnerstag, den 12. April jedenfalls spielte Barbara Clear im Foggia-Saal der Stadthalle Göppingen. Vier semi-akustische Gitarren waren auf der Bühne vorbereitet, ein Mikrophon und die selbst aufgebaute Anlage, die nach absolutem Profi-Equipment aussah. Kurz nach 20 Uhr betrat die gebürtige Bad Homburgerin, die schon nach dem Abi im Trio Irish Folk gespielt hat, die Bühne. 100 Zuhörer mögen es gewesen sein, ein paar mehr hätte der Saal locker vertragen, aber dafür, dass abgesehen vom Internet nur eine kurze Zeitungsmeldung das Konzert ankündigte, war das ganz erfreulich. "Tumbleweed" hieß das erste Stück, aus der Feder von Bill Miller und Peter Rowan, spürbar ihrem Herzen nah.
Die gerissene Saite brachte sie letztlich nicht aus dem Konzept, und so kam Barbara Clear in eine richtig gelungene Performance rein. "Eine Reise durch die Magie der Musik" nennt sie es, die junge Frau, die klar sagt, "mir ist es lieber, es reißt eine Saite, als dass ein Playback hängt", wofür sie spontan Applaus erhält. Das zeigt, wie echt und ehrlich ihr Auftritt ist, eine Künstlerin, die gar nicht gekünstelt daherkommt, richtiger Americana eben. Ihre Stimme ist klar und doch warm, mit ihr hat sie vor über 25 Jahren die "Street Of Dreams" betreten, auf der alles möglich ist, zum Beispiel bereits drei Konzerte in der Münchener Olympiahalle, bei denen insgesamt 16.000 Leute da waren. Überhaupt spielt sie ausschließlich konzertant, die Atmosphäre und das Umfeld passen besser zu ihr und der Musik. "Dirty Old Town" und das akapella gesungene "The May Morning Dew" erinnern an ihre Irish-Folk-Vergangenheit, in diesen frühsommerlich warmen Apriltagen herrlich anzuhören. Die grüne Insel als die Mutter der Musik. In den kleinen Nebenflüssen des Mississippi genießt ein junges Paar die Liebe, drei Töchter schenkt sie ihnen, "Delta Dreamland", remember Deborah Allen?
Wie Barbara Clear im Laufe der Zeit ihre Gitarrenarbeit perfektioniert hat, ist mehr als beachtlich, sie setzt das Instrument sehr vielseitig ein, zart in "Landslide" von Stevie Nicks und bekannt von den Dixie Chicks, und gewaltig in einem gigantisch umgesetzten "Me And Bobby McGee" von Kris Kristofferson, das Janis Joplin posthum zum Riesenhit gemacht hat. Wenn Janis heute leben würde, Barbara und Janis würden einen guten Draht zueinander finden. Nach einer kleinen Pause, in der Barbara für ihre Fans da ist und jede Menge Autogramme schreibt, geht’s weiter und alle sind noch da: "Love Is A Healer". "You’ve Got A Friend" kam von James Taylor und "It’s Not Enough" war eine Eigenkomposition aus den späten 80er Jahren. Da tut’s nicht weh, wenn mal ein selbst verfasster deutscher Titel reinkriecht wie "Der Wurm". Beim selbst verfassten "Rock’n’Roll Hunter" wird das Publikum zum Instrument, denn sein Mitklatschen ist in den Song einkomponiert. Zwei Mal mit dem Fuß stampfen, einmal in die Hände klatschen, das gibt den guten alten Rock’n’Roll, den man noch so gut im Ohr hat, "Any Man Of Mine" von Shania Twain entwickelt sich daraus und es macht richtig Spaß, als Teil des Instruments Publikum an der Musik beteiligt zu sein, die ohne Stilbruch in "We Will Rock You" von Queen übergeht. Früher Deep Purple bei "When A Blind Man Cries" erweist sich als poetisch und wie gut man mit der semi-akustischen Gitarre in "Smoke On The Water" übergehen kann, sollte man sich bei Barbara Clear unbedingt einmal live anhören. Sie holt alles aus dem Song heraus und das Publikum ist begeistert. Ihre Eigenkomposition "Battlefield In The Name Of God" hat eine klare Botschaft, die das Unverständnis zum Ausdruck bringt, wie einige wenige Menschen es schaffen, die Welt unter dem Deckmantel von Religion zu terrorisieren. Auch "Dead Skunk In The Middle Of The Road" von Loudan Wainwright III. hat eine Message, die Dreckschleuder, also der Umweltsünder, stinkt noch zum Himmel, selbst wenn er tot ist, vielleicht vom selbst ins Rollen gebrachten Rad überfahren. Lustig verpackt diese Geschichte, Ed Burleson hatte sie kürzlich auf seiner CD aufgegriffen. Mit guter Laune ging’s dann schon dem Ende zu, CCR’s "Proud Mary" erklang saustark, die Halle und den ganzen Mississippi ausfüllend und am Ende eines Konzerts kann kaum ein Song passender sein als Bob Seger’s "Turn The Page". Als weitere Zugaben gab’s Elton John’s "Candle In The Wind", Monroe und später Lady Di gewidmet und den Klassiker "Venus".
Barbara Clear hat mit ihrer Leistung voll überzeugen können, nach sechs Stunden Aufbau der Anlage und Soundcheck durfte sie alles wieder abbauen, aber der Aufwand hat sich total gelohnt, denn der Sound war richtig gut und man kann den Besuch ihrer Konzerte nur wärmstens ans Herz legen, raus aus der Schublade, rein in Americana. (Friedrich Hog)
Am Freitag, den 13. April 2007 konnten die Country & Western Friends Kötz in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Langenau musikalische Gäste aus Austin, Texas im Pfleghofsaal Langenau begrüßen. Die Singer-Songwriterin Kimmie Rhodes war gekommen, der Saal war ansprechend gefüllt, wenngleich nicht ganz voll geworden, aber das anwesende Publikum wusste die wertvolle und schöne Musik bis zum Schluss nach mehreren Zugaben zu schätzen. Stimmlich erinnert Kimmie Rhodes sehr an Emmylou Harris, vielleicht haben sie deshalb bereits gemeinsam Lieder geschrieben und aufgenommen. Kimmie selbst spielte akustische Gitarre, ihr Sohn Gabe Rhodes bediente ebenfalls die akustische Gitarre, zum Teil als Bottleneck Guitar eingesetzt, ein wenig setzte er den Flügel ein. Kimmie’s Ehemann Joe Gracey bediente dezent den elektrischen Bass. Von Anfang an klar war, dass hier Wert auf Details gelegt wurde, filigrane Singer-Songwriter-Kunst fern ab vom Lärm der Zeit. Musik zum Zuhören, Entspannen und Auftanken. „West Texas Heaven", „Just One Love", gleich vertraute Klänge für die Fans, die ihre Musik schon kannten, bestens aufzunehmen im schönen Pfleghofsaal. „I Just Drove By" bezog sich auf das Haus in Lubbock, Texas, in welchem sie aufgewachsen ist. „Just Someone I Used To Know" hatte Cowboy Jack Clement für Porter Wagoner & Dolly parton geschrieben, sehr zart war es bei Kimmie Rhodes arrangiert. Der große texanische Singer-Songwriter Townes Van Zandt kam bei „Pancho And Lefty" zu Wort, ebenso gleich im Anschluss bei „If I Needed You", bei dem Gabe Rhodes die Duettstimme beisteuerte. Das stand der Hitversion von Emmylou Harris & Don Williams in nichts nach.
Die Bush-Regierung in Washington plant derzeit den Bau einer riesigen, langen Mauer zwischen Texas und Mexiko, dabei hatte Texas einst zu Mexiko gehört. In ihrem selbst verfassten Lied „Walls Fall Down" beklagt Kimmie Rhodes diesen Seperatismus angesichts der doch überall ähnlichen Gefühle, Sorgen und Ängste der Menschen. Wir brauchen mehr Liebe, keine Mauern, so ihre in jeder Hinsicht richtige Botschaft. „Maybe We’ll Just Disappear" hatte Kimmie mit ihrem Freund und Bewunderer Waylon Jennings aufgenommen, „Dreaming my Dreams With You" war gar aus seinem Hitrepertoire entlehnt. Der zweite Set war etwas rhythmischer und aufgeweckter als der Erste, in Townes Van Zandt’s „White Freight Liner Blues" hatte sich die musikalische Energie richtig entladen können. Im Rahmen der Zugaben sang Kimmie Rhodes „Love & Happiness For You" das sie gemeinsam mit Emmylou Harris geschrieben und aufgenommen hat. Beide haben sie Kinder und daher dieses Lied ihnen gewidmet.
Kimmie Rhodes hatte bewiesen, dass sie stimmlich auf einer Ebene mit Emmylou Harris anzusiedeln ist, ihre feine, klare Stimme überzeugte in vollstem Umfang. Weitgehend gefehlt hatten angesichts der spärlichen Instrumentierung die Honky Tonk und Western Swing Elemente, die ansonsten Teile ihrer Musik ausmachen. Dafür entschädigte Kimmie Rhodes mit ihren wunderbaren Liedern und nutzte auch die Gelegenheit, sie ein wenig zu erläutern. Über ihren Freund Willie Nelson, mit dem sie bereits mehrere Lieder gemeinsam aufgenommen hat, meinte sie: „Als Willie gefragt wurde, warum er sich mit über 70 noch immer nicht zur Ruhe gesetzt habe, habe Willie gemeint, er hätte sich schon lange zur Ruhe gesetzt, alles was er tue, sei Musik und Golf zu spielen." Hoffen wir, dass Kimmie, die noch ein paar Dekaden jünger ist, ihre Musik ebenso zur Lebensaufgabe gemacht hat, dann wird man sie sicherlich gerne wieder live sehen, 2008 erscheint ihre 12. CD. (Friedrich Hog)
Auf Samstag, den 14. April 2007 hatte sich Bloodshot Recording Artist Bobby Bare jr. im Café Kapilio in Langenau angesagt. Der kleine Musentempel ist dabei nicht richtig voll geworden, aber a bisserl was geht immer. Und das war bei Bobby Bare jr. so ziemlich alles zwischen Punk- artigem Rock und Old Time Country Music. Country Music Legende Bobby Bare ist ja bekannt durch seinen Hit „The All American Boy", mit dem er 1959 Platz 2 der amerikanischen Pop Singles Charts erreichte, ferner durch Hits in den Country Charts wie „Marie Laveau" (No. 1/1974), „Four Strong Winds" (No. 3/1964/65), „That’s How I Got To Memphis" (No. 3/1970), „Miller’s Cave" (No. 4/1964), „Margie’s At The Lincoln Park Inn" (No. 4/1969), „500 Miles Away From Home" (No. 5/1963/64), „The Streets Of Baltimore" (No. 5/1966), „The Game Of Triangles" mit Norma Jean und Liz Anderson (No. 5/1966) oder die Grammy Single „Detroit City" (No. 6/1963). Rund 70 Hitparadenerfolge in Billboard’s Country Charts konnte er ab 1962 landen, seit gut 20 Jahren ist er jedoch schon aus dem „großen Geschäft" heraus, hat auch schon mal eine Abschiedstournee gemacht, ist aber hin und wieder so ein klein wenig rückfällig und tritt noch auf. 1974 hatte er zusätzlich zu den genannten Hits Position 2 erreicht mit „Daddy What If", einem Duett mit seinem damals kleinen Sohn Bobby Bare jr..
Dieser geht inzwischen auf die 40 zu, wohnt in Nashville und macht Musik. Diese ist jedoch etwas anders, als jener Folk-Country, den sein berühmter Vater macht, „This Is Big Bare" meinte der Junior, als ich ihm einige Fotos zeigte, die ich vor annähernd 20 Jahren von seinem Vater gemacht hatte. Sehr anders sogar, obwohl Bobby Bare jr. die aktuelle CD seines Vaters produziert hat und nach Rückkehr in die USA die nächste Bobby Bare-CD produzieren wird. „The Big Bare" wird hierfür Songs aufnehmen, die er alle selbst geschrieben hat, vorwiegend in den 60er Jahren.
Zunächst hatte Bobby Bare jr. im Kapilio eine akustische Gitarre umgeschnallt, Cory Younts aus Nashville die Mandoline. Der Start hatte etwas von rauher Old Time Music und das verdichtete sich beim zweiten Lied „Valentine" sogar noch, als Cory Younts das Clawhammer Banjo bediente. Die Stimme von Junior Bare ist kaum mit jener seines Vaters zu vergleichen, kein gemütlicher Bariton, eher ein rauher, wilder Tenor. Sodann nahm Aaron Ford aus dem nördlichen Teil von Georgia ergänzend am Schlagzeug Platz. Bald schon wechselte Bobby Bare jr. zur elektrischen Gitarre und meinte „Now We Make Loud Rock’n’Roll". Gesagt, getan, das dauerte dann gut eine halbe Stunde, Psychedelic, Funk, Punk, ich weiß nicht, was man da alles raushören konnte, aber es war eindeutig zu laut für das Kapilio. Schön war jenes Lied, in dem es u.a. hieß „Stop Crying, I Kiss The Tears Out Of Your Eyes - I Mean It This Time". Als er sich verabschieden wollte, war kaum eine Stunde gespielt, das ließ das Publikum nicht zu, und so gab’s den schönsten Teil des Auftritts, als Bobby Bare jr. solo mit akustischer Gitarre noch fünf Songs als Zugaben klampfte. Da er in Nashville aufgewachsen ist, kennt er dort zwar längst nicht alle, aber einige, er meinte in einem lustigen und gelungenen Vortrag daher „Come And Visit Me In Nashville, Tennessee". Klasse war auch seine Version von „Sister Golden Hair".
Bobby Bare jr. scheint eine Menge Spaß gehabt zu haben in Langenau, den Leuten hat’s auch Spaß gemacht, sogar der elektrifizierte Teil. (Friedrich Hog)
Das Four Corners in Untermeitingen zieht Gäste aus weiter Entfernung an, weit über 100 Kilometer reicht der regelmäßige Einzugsbereich. Das ist auch nachvollziehbar, sieht man, welch großartige Künstler man dort aus nächster Nähe live auf der Bühne erleben kann. Am Sonntag, den 18. März 2007 gastierte der amerikanische Singer-Songwriter Billy Yates in Untermeitingen, die regulären Plätze waren belegt und einige behielten den Überblick, indem sie das Konzert von der Empore aus verfolgten. Mit der holländischen Begleitband Savannah ist Billy Yates längst bestens vertraut, und die Anlage im Four Corners erfüllt inzwischen alle Ansprüche an einen optimalen Sound. Kein Wunder, dass die Gäste um halb ein Uhr die Künstler mit Standing Ovations verabschiedeten.
Geboren wurde Billy Yates in Doniphan, Missouri, aufgewachsen ist er auf einer kleinen Farm an der Grenze zu Arkansas. Obwohl die Kindheit kärglich war, hat es ihm an nichts gefehlt und er möchte seine Kindheit mit nichts eintauschen. Der Schallplattensammlung seiner Eltern entnahm er Musik von Jim Reeves, Ernest Tubb, Lefty Frizzell, George Jones, Mac Wiseman, Buck Owens, Merle Haggard und den Louvin Brothers. Seine eigenen Interessen waren Emmylou Harris und Don Williams zugewandt. 1987 kam er nach Nashville, Tennessee, wo inzwischen sechs seiner Songs von George Jones aufgenommen worden sind. Auch George Strait, Kenny Chesney, Sara Evans, Gary Allan, Tracy Lawrence, Doug Stone, Ricochet, Ricky Van Shelton, David Allan Coe und viele andere bedienten sich bereits seiner Lieder. Mit seiner integren und intelligenten Art gewinnt er nicht nur unter den Sängern immer neue Freunde, nein auch das Publikum ist hellauf begeistert von dem wunderbaren Autor, seiner sehr schönen Stimme und starken Bühnenpräsens.
Um halb neuen eröffneten Savannah den Abend mit einem mehr als gelungenen Set. Der differenzierte Klang zwang förmlich zum Zuhören, was sehr viel Freude bereitete. Elektrische Gitarre, akustische Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard kamen zum Einsatz, „Hello Trouble“ galt zumindest im Hinblick auf die Musik nicht. Schöner mehrstimmiger Gesang ertönte bei „Baby’s Got A Hold On Me“ von der Nitty Gritty Dirt Band und „Habit Of The Heart“ erwies sich als bisher unentdeckte Perle aus der Feder von Michael Woody. „K-I-S-S-I-N-G“ riss die Zuhörer mit seiner Dynamik mit, Shawn Camp hatte das Lied in den 90-er Jahren bekannt gemacht. Einflüsse von Lefty Frizzell und Merle Haggard wurden sehr deutlich, „That’s The Way Love Goes“, „Ramblin‘ Fever“, sehr gute E-Gitarre! Der Bogen wurde gespannt bis Johnny Cash, „I Still Miss Someone“ und Tex-Mex, Keyboard macht’s möglich. Im zweiten Set kam Cor Sanne als Leadsänger hinzu, er kramte in älteren Titeln wie „Supper Time“ oder „Crazy Arms“, sehr liebevoll aufbereitet.
Im dritten Set übernahm schließlich der Star des Abends das Ruder, Billy Yates. Von Anfang an machte er klar, „Anywhere But Nashville“ und „Too Country & Proud Of It“: er gilt beim Establishment als zu sehr Country und findet daher nicht die Unterstützung der großen Plattenfirmen, aber verbiegen lassen möchte er sich nicht. Das ist eine Einstellung, die die Fans im Four Corners voll mitgetragen haben, das Publikum war mit Sicherheit kompetenter und aufgeschlossener, als das in den USA beim durchschnittlichen Gig zu erwarten ist. Billy Yates streifte den „Harmony Man“, geriet ins Schwärmen über Lefty Frizzell, Merle Haggard und Keith Whitley bei „I Never Go Around Mirrors“ und packte auch Power aus, wo’s gepasst hat, „Down At The Station“. Seine aktuelle sechste CD heißt „Favorites“, sie ist seine fünfte CD auf eigener Plattenfirma. Es sind seine Lieblingslieder aus den vier Vorgängeralben enthalten, „Flowers“ hat er neu eingespielt und „Choises“ ist hier erstmals im Duett mit George Jones zu hören, der die Billy-Yates-Komposition in den 90-er Jahren zum Hit gemacht hatte. 21 Lieder sind auf dem neuen Album enthalten. Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, so der Inhalt von „Choises“, man lebt und stirbt mit seinen Entscheidungen. Klar, dass dieses Lied nicht fehlen durfte, ebenso wie „I Don’t Need Your Rockin‘ Chair“, das ebenfalls George Jones aus der Feder von Billy Yates direkt zum Hit gemacht hatte und das 1994 sogar den Vocal Event Award der CMA erhielt.
Sehr positiv zu erwähnen sind auch die Ansagen von Billy Yates zu den einzelnen Liedern, die einem die Hintergründe erläutern wie bei „My Infinite Love“, das George Strait auf CD gecovert hat. Billy hatte es für eine an Krebs leidende Freundin geschrieben und an ihrer Beerdigung gesungen. Um Tod ging’s auch bei „Daddy Had A Cardiac And Mama‘s Got A Cadillac“, wobei hier die Aufbereitung viel lustiger ist, denn der Daddy starb im falschen Bett an Herzinfarkt mit einem Lächeln im Gesicht, jetzt konnte die Mutter sich einen Cadillac leisten, das englische Wortspiel gibt hier viel her und es heißt unter anderem: “Daddy Died Smiling, Mama Had The Last Laugh“. Augenzwinkern auch bei der aktuellen Single „Better Every Beer“, nach jedem Bier scheinen die Mädels in den Augen der Kerle hübscher zu werden. Wunderschön mit mehrstimmigem Satzgesang wurde akapella-Gospel dargereicht „Talk About Suffering ...“, „Roxanne’s Bayou“ und „Me Marie“ machten wieder auf niveauvolle Weise Stimmung und „Got No Reason Now For Going Home“ war Honky Tonk pur aus dem Hitfundus von Gene Watson. „Tonight The Bottle Let Me Down“ und „Alcohol Abuse“ leiteten nach Mitternacht den Schlussakkord ein, der in der zweiten Zugabe „American Voices“ sehr gehaltvoll angestimmt wurde. Billy schrieb dieses Lied über die ganzen Probleme, die sein Land derzeit verursacht und bittet u.a. darum, die Stimmen der Menschen mit roter oder dunkler Hautfarbe nicht in Abrede zu stellen. Standing Ovations waren verdienter Lohn für diese großartige Performance, der eine ausführliche Autogrammstunde folgte. Billy Yates ist uneingeschränkt sehr gut rübergekommen und mit Savannah hat er eine Band im Hintergrund, die seine Musik optimal in Szene setzt. (Friedrich Hog)